„Der Stromtarif ist günstig“ – 7 Dinge, die mir Anbieter dabei verschweigen wollten
Ich habe in den letzten Jahren unzählige Stromtarife gesehen. Und fast alle hatten eines gemeinsam:
Sie sahen auf den ersten Blick günstig aus.
Und auf den zweiten Blick… eher nicht mehr.
Irgendwann habe ich angefangen, Tarife nicht mehr zu vergleichen, sondern zu zerlegen. Und dabei sind mir Muster aufgefallen, die erstaunlich oft wiederkehren.
Mythos 1: „Der kWh-Preis ist entscheidend“
Nein. Ist er nicht.
Zumindest nicht allein.
Ich habe Tarife gesehen mit sehr niedrigem Arbeitspreis – und absurd hohem Grundpreis. Für Singles oder kleine Haushalte ist das eine klassische Kostenfalle. Der Tarif wirkt billig, ist es aber nur für Vielverbraucher.
? Mein Learning: Immer Gesamtkosten pro Jahr rechnen, nicht nur Cent pro kWh vergleichen.
Mythos 2: „Mit Bonus spare ich auf jeden Fall“
Bonusse sind kein Geschenk, sondern Vorauszahlungen mit Bedingungen.
Oft gibt es sie erst nach 12 Monaten. Manchmal nur, wenn man exakt die Laufzeit einhält. Manchmal verfallen sie bei der kleinsten Abweichung.
Ich habe Tarife gesehen, die ohne Bonus teurer waren als der Marktdurchschnitt – der Bonus war nur Tarnung.
Mythos 3: „Preisgarantie heißt Preisgarantie“
Leider nein.
Viele Preisgarantien schließen Netzentgelte, Steuern oder Umlagen explizit aus.
Heißt: Der Anbieter darf erhöhen – und nennt es trotzdem „garantiert“.
? Ich schaue heute immer ins Detail: Was ist garantiert – und was nicht?
Mythos 4: „Kurze Laufzeit = flexibel“
Theoretisch ja.
Praktisch gibt es Tarife mit kurzer Laufzeit, aber langen Kündigungsfristen oder automatischer Verlängerung zu schlechteren Konditionen.
Flexibel ist nur, was auch kündbar ist – und zwar ohne Stolperfallen.
Mythos 5: „Ökostrom ist immer teurer“
Das war mal so.
Heute ist Ökostrom oft genauso teuer oder sogar günstiger – vor allem bei neueren Tarifen.
Was teurer ist, sind oft Marketing-Ökotarife, die nur Zertifikate zukaufen. Auch hier lohnt der zweite Blick.
Mythos 6: „Große Anbieter sind immer sicher“
Auch große Namen haben in den letzten Jahren gewackelt.
Und kleine Anbieter können sehr solide sein.
Entscheidend ist nicht die Größe, sondern Einkaufsstrategie, Rücklagen und Transparenz.
Bewertungen und Geschäftsberichte sagen oft mehr als Werbung.
Mythos 7: „Vergleichsportale zeigen mir alles“
Nein. Sie zeigen mir das, was sich gut listen lässt.
Nicht zwingend das, was langfristig günstig oder fair ist.
Manche Tarife tauchen dort gar nicht auf. Andere sind künstlich optimiert für die Rankinglogik.
? Vergleichsportale sind ein Werkzeug – keine Wahrheit.
„Günstig“ ist kein Preis.
Günstig ist ein Ergebnis – nach einem Jahr, nach allen Kosten, nach allen Bedingungen.
Seit ich Tarife so betrachte, ärgere ich mich kaum noch über Stromrechnungen.
Nicht weil sie immer niedrig sind – sondern weil sie erwartbar sind.
Und das ist für mich der eigentliche Luxus.