Wärmepumpe im Altbau ohne Fußbodenheizung? Warum „Experten“ oft Quatsch erzählen und wie es (meistens) doch klappt
Heute wird’s warm ums Herz – und hoffentlich auch in der Bude.
Ich war letzte Woche auf einer Geburtstagsfeier und wie das so ist, ab 23 Uhr stehen die Männer in der Küche und diskutieren über Technik. Das Thema: Wärmepumpen.
Einer meinte lautstark: „Vergiss es! Im Altbau frierst du dir den Hintern ab. Ohne Fußbodenheizung wird das nix, das frisst dir den Strom vom Dach!“
Ich habe mir das angehört und dachte: Stimmt das eigentlich noch? Wir schreiben das Jahr 2026. Die Technik ist weiter.
Also habe ich mich mal nicht auf das „Stammtisch-Wissen“ verlassen, sondern einen befreundeten Energieberater ausgequetscht und mir ein Haus aus den 80ern angesehen, das den Umstieg gewagt hat.
Spoiler: Es geht. Und oft sogar erstaunlich gut. Aber ihr müsst eure Hausaufgaben machen.
Der Mythos: „Du brauchst zwingend Fußbodenheizung“
Das hält sich hartnäckig. Die Logik dahinter: Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie das Heizwasser nicht so stark erhitzen muss (niedrige Vorlauftemperatur). Eine Fußbodenheizung hat viel Fläche, da reichen 30 Grad warmes Wasser, um den Raum warm zu kriegen. Alte Heizkörper sind klein. Damit die den Raum warm kriegen, musste der alte Öl-Kessel das Wasser auf 60 oder 70 Grad aufkochen.
Eine Wärmepumpe kann zwar 70 Grad schaffen, aber dann verbraucht sie massiv Strom. Dann wird aus der Spar-Heizung schnell ein Groschengrab.
ABER: Das heißt nicht, dass es unmöglich ist. Es heißt nur, wir müssen die Heizkörper fit machen.
Der „50-Grad-Test“: Mach ihn diesen Winter!
Bevor ihr euch Angebote für 30.000 Euro einholt, könnt ihr selber testen, ob euer Haus „Wärmepumpen-Ready“ ist. Das kostet nix, außer ein paar Minuten Zeit. Wartet auf einen richtig kalten Tag (am besten unter 0 Grad).
Geht an eure alte Gas- oder Ölheizung und stellt die Vorlauftemperatur (das ist die Temperatur, mit der das Wasser in die Rohre geht) auf 50 oder maximal 55 Grad runter.
Dann dreht ihr in den Wohnräumen die Thermostate voll auf.
Das Ergebnis:
- Es wird muckelig warm? Herzlichen Glückwunsch! Dein Haus ist geeignet. Du kannst die Wärmepumpe wahrscheinlich fast 1:1 einbauen.
- Es bleibt kalt? Okay, dann hast du ein Problem. Aber auch das lässt sich oft lösen.
Die Lösung: „Heizkörper-Tuning“
Wenn es beim Test kalt blieb, liegt es meistens daran, dass die Heizkörper zu wenig Fläche haben, um die Wärme bei „nur“ 50 Grad abzugeben.
Ihr müsst jetzt nicht den Estrich aufreißen für eine Fußbodenheizung! Das ist Quatsch und viel zu teuer.
Die Lösung sind Typ 33 Heizkörper.
Das sind diese richtig dicken Oschis. Die sind genauso breit und hoch wie eure alten, aber viel tiefer (drei Platten hintereinander).
Die haben eine riesige Oberfläche. Ich habe bei dem Bekannten gesehen, wie die getauscht wurden. Das ist an einem Tag erledigt. Kein Dreck, kaum Lärm.
Plötzlich reichen auch im Altbau 45 oder 50 Grad Vorlauf aus. Und schon läuft die Wärmepumpe effizient.
Und was ist mit dem Stromverbrauch? (Unser Spezialgebiet)
Jetzt wird’s für uns hier im Blog interessant.
Eine Wärmepumpe macht aus 1 Teil Strom ca. 3 bis 4 Teile Wärme.
Im Altbau vielleicht eher 3 Teile (Jahresarbeitszahl 3,0).
Rechnen wir mal grob:
Ihr habt früher 20.000 kWh Gas verbraucht.
Durch die Effizienz braucht die Wärmepumpe dafür ca. 6.500 kWh Strom.
Das klingt viel. Aber:
- Es gibt spezielle Wärmepumpen-Stromtarife. Die sind oft 5-8 Cent günstiger als der normale Haushaltsstrom, weil der Netzbetreiber die Anlage theoretisch kurz dimmen darf (passiert fast nie).
- Ihr habt kein Gas mehr! Keine Grundgebühr für den Gaszähler, keinen Schornsteinfeger. Das sind auch schnell 200 Euro gespart.
Mein Tipp: Wenn ihr eine Wärmepumpe plant, braucht ihr einen zweiten Zähler für den Wärmestrom, um die günstigen Tarife zu nutzen. Checkt das vorher mit dem Elektriker! Viele moderne Tarife bieten das mittlerweile bundesweit an. Und vergesst nicht, auch diesen Tarif regelmäßig zu vergleichen (dafür sind wir ja da!).
Lasst euch nicht verrückt machen
Ja, ein ungedämmtes Schloss aus dem Jahr 1900 mit einfach verglasten Fenstern ist nix für eine Wärmepumpe. Da muss man erst dämmen.Aber ein normales Haus aus den 70ern, 80ern oder 90ern? Mit neuen Fenstern und vielleicht ein paar dickeren Heizkörpern? Absolut machbar.Ich kenne mittlerweile drei Leute, die im Altbau umgestiegen sind. Keiner friert. Und keiner ist pleite gegangen.Macht den 50-Grad-Test! Das ist der erste Schritt zur Unabhängigkeit von Öl und Gas.
Habt ihr schon Erfahrungen mit dem Thema? Oder plant ihr gerade den Umstieg und der Heizungsbauer erzählt euch Gruselgeschichten? Schreibt es in die Kommentare, ich bin echt gespannt auf eure „Real-Life“ Berichte!
Bleibt warm (und smart)