E-Auto an der Steckdose laden? Warum ich fast mein Haus abgefackelt hätte (und warum eine Wallbox Geld spart)
Heute gibt es eine kleine Beichte von mir. Ich dachte ja immer, ich bin schlau.Als ich mir letztes Jahr meinen ersten Stromer zugelegt habe (einen gebrauchten ID.3, falls es wen interessiert), dachte ich mir: „Wozu 1000 Euro für so eine Wallbox ausgeben? Da ist doch dieses Ladekabel für die normale Steckdose dabei. Das reicht doch!“ Das nennt man dann wohl: Am falschen Ende gespart. Die ersten zwei Wochen ging alles gut. Ich kam abends heim, Stecker rein, morgens war der Akku halbwegs voll.
Aber dann kam dieser eine Samstag. Ich hatte das Auto den ganzen Tag am Laden, weil wir abends eine längere Strecke fahren wollten. Als ich den Stecker aus der Wanddose ziehen wollte… ging er nicht raus. Er war festgeschmolzen. Kein Witz. Die Plastikabdeckung der Steckdose war weich wie Kaugummi und braun verfärbt. Ich hatte Glück. Es hat nicht gebrannt. Aber der Elektriker, der am Sonntag (Notdienst-Zuschlag, juhu!) kam, hat mir ordentlich den Kopf gewaschen.
Warum das „Notladekabel“ wirklich nur für den Notfall ist und warum ihr mit einer Wallbox nicht nur sicherer, sondern auch billiger ladet, erkläre ich euch jetzt.
Das Problem mit der „Schuko“-Dose (Der „Ziegel“)
Das Kabel, das beim Auto dabei ist (dieser Kasten, der aussieht wie ein Ziegelstein), begrenzt den Strom meistens auf 2,3 kW (10 Ampere). Das klingt wenig. Aber für eine normale Haushaltssteckdose ist das Dauerlast. Unsere Leitungen im Haus sind dafür gemacht, mal kurz den Föhn (2000 Watt) für 10 Minuten zu powern. Oder den Staubsauger. Aber nicht 10 Stunden am Stück! Alte Klemmverbindungen in der Wand werden warm. Sehr warm. Und irgendwann kokelt es.
Mein Rat: Nutzt den „Ziegel“ wirklich nur, wenn ihr bei Oma zu Besuch seid oder im Notfall. Nicht jede Nacht!
Die unsichtbaren Kosten: Ladeverluste (Das wissen die Wenigsten!)
Jetzt kommen wir zu dem Punkt, der hier im Blog wichtig ist: Euer Geldbeutel. Selbst wenn eure Steckdose nicht abfackelt – ihr verbrennt Geld. Das Auto muss beim Laden seine Bordelektronik wach halten (Batteriemanagement, Kühlung, Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom). Das verbraucht konstant Strom, sagen wir mal 200-300 Watt.
- Szenario A (Steckdose): Ihr ladet mit 2,3 kW. Das dauert für 50 kWh Akku ca. 22 Stunden.22 Stunden lang laufen die Nebenaggregate.Verlust: ca. 10-15%.
- Szenario B (Wallbox): Ihr ladet dreiphasig mit 11 kW. Das dauert nur 4,5 Stunden.Die Nebenaggregate laufen nur kurz.Verlust: oft unter 5%.
Die Rechnung:
Wer viel fährt und immer an der Steckdose lädt, zahlt im Jahr locker 100 bis 150 Euro mehr Strom, nur für die „Wärme“, die beim Umwandeln verloren geht. Eine Wallbox spart also nicht nur Zeit und Nerven, sie senkt auch die Stromrechnung effektiv.
Wallbox-Kauf 2026: Was muss sie können?
Vergesst den ganzen Schnickschnack mit Touchscreens. Eine gute Wallbox muss eigentlich nur eins können: Sicher Strom liefern. Aber wenn ihr schlau seid (und meine Artikel über Tibber und dynamische Tarife gelesen habt), dann holt ihr euch eine steuerbare Wallbox.
Warum?
Weil ihr dann das Auto automatisch laden lassen könnt, wenn der Strom an der Börse billig ist (z.B. nachts um 3 Uhr für 18 Cent). Das Auto „spricht“ mit der Wallbox und der App. Ich habe mir jetzt eine einfache 11 kW Box geholt (Kostenpunkt ca. 400 Euro + Installation).Wichtig: 11 kW Wallboxen müsst ihr beim Netzbetreiber nur anmelden. 22 kW Boxen müssen genehmigt werden (und werden oft abgelehnt). 11 kW reichen für zuhause völlig aus!
Die Installation: Ein Fall für den Profi
Hier spart bitte nicht. Ich habe beim Elektriker angerufen. Der hat einen separaten Stromkreis gelegt, einen eigenen FI-Schalter (Typ A-EV oder Typ B, ganz wichtig!) gesetzt und die Box angeschlossen. Gekostet hat der Spaß mit Kabelweg und Durchbruch ca. 800 Euro.
Ja, das ist eine Stange Geld.
Aber:
- Ich schlafe ruhig (keine Brandgefahr).
- Das Auto ist morgens immer voll (und nicht nur halb).
- Ich spare durch die höhere Effizienz jeden Ladevorgang ca. 1-2 Euro gegenüber der Schuko-Ladung.
Wer billig kauft, kauft (und lädt) zweimal
Mein Experiment „Steckdosen-Laden“ war dumm. Ich gebe es zu. E-Mobilität macht erst richtig Spaß, wenn die Infrastruktur stimmt. Wenn ihr Eigentum habt oder der Vermieter mitspielt: Holt euch das Ding. Es gibt übrigens 2026 auch wieder regionale Fördertöpfe (manche Bundesländer oder Städte geben 200 Euro dazu). Checkt das unbedingt bevor ihr den Auftrag vergebt!Wie ladet ihr? Seid ihr auch noch „Schnarch-Lader“ an der Steckdose oder habt ihr schon aufgerüstet? Und gab’s bei euch auch schonmal heiße Kabel? Lasst es mich wissen – und passt auf eure Finger auf!
Euer geläuterter Alex