Mein Eprimo Selbsttest: Schnäppchen-Paradies oder Service-Hölle? (Update 2025)
Nachdem ich euch im letzten Artikel gezeigt habe, wie ihr generell den Anbieter wechselt, dachte ich mir, ich muss mal Butter bei die Fische geben. Es nützt ja nix, wenn ich euch sage „wechselt zum Günstigsten“, wenn der Günstigste am Ende ein totaler Reinfall ist.
Ganz oben in den Vergleichsrechnern auf der-strompreis-vergleich.de tauchen oft Namen auf wie Eprimo, Vattenfall oder diverse Tochterfirmen auf. Besonders zu Eprimo kriege ich immer wieder Mails von euch: „Alex, die sind so billig, da muss doch ein Haken sein?“ oder „Zahlen die den Bonus wirklich aus?“.
Ich habe den Selbstversuch gemacht. Ich bin privat mit meinem Anschluss für 12 Monate zu Eprimo gewechselt, um zu sehen, was passiert. Spoiler: Es lief anders, als ich dachte. Hier ist mein ungeschönter Bericht.
Warum überhaupt ein „Strom-Discounter“?
Kurz vorweg: Eprimo gehört eigentlich zu E.ON. Das wissen viele gar nicht. Es ist sozusagen die „Billigmarke“ vom großen Riesen. Das gibt mir persönlich schonmal ein bisschen Sicherheit, dass der Laden nicht morgen insolvent ist (anders als damals bei TelDaFax, wer sich erinnert – dunkle Zeiten waren das).
Mein Ziel war klar: Ich wollte weg von den gut 40 Cent/kWh meiner lokalen Stadtwerke und runter auf einen Marktpreis, der deutlich darunter liegt. Inklusive Neukundenbonus kam ich rechnerisch auf einen Preis, der fast schon unverschämt günstig wirkte.
Phase 1: Die Bestellung und der Wechsel
Ich habe den Wechsel direkt online angestoßen. Die Dateneingabe war simpel. Zählernummer, bisheriger Anbieter, Bankdaten. Standardkram.Was
mir positiv auffiel: Ich bekam fast sofort eine Bestätigung per Mail.
Was mir nicht gefiel: Die versuchen einem im Bestellprozess gerne noch Zusatzoptionen aufzuschwatzen. Irgendwelche Schutzbriefe oder „Öko-Plus“-Optionen, die extra kosten.
Mein Tipp: Augen auf beim Klick-Finger! Lest genau, wo ihr einen Haken setzt. Ihr wollt Strom, keine Versicherung für die Waschmaschine.
Der eigentliche Wechseltermin war sechs Wochen später. Und was soll ich sagen? Es war unspektakulär. An Tag X bekam ich eine Mail „Wir beliefern Sie jetzt“. Der Strom war da, das Licht flackerte nicht. Technisch lief der Umzug von den Stadtwerken zum Discounter also absolut geräuschlos ab. Note 1 dafür.
Der Alltag: App, Service und nervige Werbung
Jetzt wurde es interessant. Wie „lebt“ es sich mit einem Billiganbieter?
Eprimo hat ein Kundenportal und eine App. Ich bin ja ein Fan davon, Dinge digital zu regeln. Zählerstand per Foto scannen? Ging in der App erstaunlich gut. Das Design ist bunt, bisschen poppig, aber übersichtlich. Man sieht die Abschläge und den Verbrauch.
Aber hier kommt der Kritikpunkt:
Der Service. Ich hatte eine Rückfrage zu meinem Abschlag, weil der mir etwas zu hoch angesetzt schien (ein klassischer Trick der Anbieter, um sich einen zinslosen Kredit bei uns zu holen).
Ich habe also angerufen.
Und gewartet.
Und gewartet.
Nach 25 Minuten in der Warteschleife mit einer Musik, die sich in mein Gehirn gebrannt hat, hatte ich jemanden dran. Der Mitarbeiter war freundlich, aber wirkte gehetzt. Er hat den Abschlag zwar angepasst, aber man merkte: Hier wird an Personal gespart. Wer also Wert darauf legt, dass beim ersten Klingeln jemand rangeht, der wird hier unglücklich. Wer Geduld hat oder Mails schreibt (Antwortzeit bei mir: ca. 3 Tage), den stört das weniger.
Ein weiterer Punkt der nervt: Werbung. Ich bekam regelmäßig Mails mit „Tollen Angeboten“ für andere Produkte. Das musste ich erst mühsam im Kundenkonto abbestellen. Ein Klick mehr, der nicht sein müsste.
Die große Preisfrage: Wurde der Bonus ausgezahlt?
Das ist ja das, wovor alle Angst haben. Man lockt euch mit 150 Euro Sofortbonus und 200 Euro Neukundenbonus, und am Ende finden sie einen Grund nicht zu zahlen.
Ich habe meinen Vertrag genau 12 Monate laufen lassen und dann (natürlich!) wieder gekündigt, weil im zweiten Jahr der Preis hochgegangen wäre.
- Sofortbonus: Der kam tatsächlich nach etwa 60 Tagen pünktlich auf mein Konto. Ohne Nachfragen.
- Neukundenbonus: Der wird mit der Schlussrechnung verrechnet.Die Schlussrechnung kam ca. 4 Wochen nach Vertragsende. Ich hab die Lupe rausgeholt und geprüft. Und tatsächlich: Der Bonus war korrekt aufgeführt und wurde vom Rechnungsbetrag abgezogen. Ich hatte am Ende sogar ein Guthaben, das mir überwiesen wurde.
Hier muss ich also eine Lanze brechen: Bei mir lief die Abrechnung zu 100% sauber. Keine Tricks, kein „Sie haben aber Solar, deshalb kein Bonus“ (was bei manchen Anbietern ein Problem ist, checkt dazu immer die AGBs!).
Für wen lohnt sich der Wechsel?
Mein Fazit nach einem Jahr beim Discounter fällt gemischt, aber überwiegend positiv aus.
Du solltest wechseln, wenn:
- Du preissensibel bist und das Maximum an Ersparnis rausholen willst.
- Du dich traust, Online-Portale zu nutzen und keine Filiale vor Ort brauchst.
- Du diszipliniert genug bist, nach 12 Monaten Preise zu checken und ggf. wieder zu wechseln.
Du solltest NICHT wechseln, wenn:
- Du erwartest, dass du bei Problemen sofort einen persönlichen Ansprechpartner hast, der deine Lebensgeschichte kennt.
- Du Panik bekommst, wenn eine E-Mail mal 3 Tage unbeantwortet bleibt.
Zusammenfassung und Endnote
Unterm Strich habe ich in diesem Jahr gegenüber der Grundversorgung fast 340 Euro gespart. Dafür habe ich gerne mal 20 Minuten in der Warteschleife gehangen. Der Stundenlohn ist okay, oder? 😉
Solange man sich an die Regeln hält (Rechtzeitig kündigen! Boni-Bedingungen lesen!), sind Anbieter wie Eprimo eine valide Option, um die Haushaltskasse zu entlasten. Es ist kein Hexenwerk und sicher kein Betrug, sondern einfach ein Geschäftsmodell: Wenig Service, kleiner Preis.
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder hat euch ein Anbieter mal so richtig im Regen stehen lassen? Schreibt mir das unbedingt in die Kommentare, vielleicht greife ich euren Fall im nächsten Blogpost mal auf!
Euer Sparfuchs Alex