Stromanbieter lehnt dich ab? Was du tun kannst, wenn die Schufa „Nein“ sagt (und wie du trotzdem sparst)
Heute müssen wir mal Tacheles reden. Ein Thema, das mir immer wieder in den E-Mails begegnet, aber über das kaum einer offen spricht, weil es vielen unangenehm ist.
Du hast den Vergleichsrechner genutzt, hast einen super günstigen Tarif gefunden, freust dich auf 400 Euro Ersparnis… und zwei Tage später kommt eine kühle E-Mail:
„Leider können wir Ihren Auftrag aus internen Gründen nicht annehmen.“
Bumm. Das sitzt.
Meistens steht da nicht „Schufa“ oder „Bonität“, sondern irgendwas von „internen Kriterien“. Aber wir wissen alle, was gemeint ist. Vielleicht gab es mal eine unbezahlte Handyrechnung, eine Privatinsolvenz oder der Score ist einfach schlecht, weil man zu oft umgezogen ist.
Ich sage euch eins: Schämt euch nicht dafür. Das kann jedem passieren. Das System in Deutschland ist knallhart.
Aber heißt das, dass ihr für immer in der teuren Grundversorgung gefangen seid und draufzahlen müsst? Nicht unbedingt. Ich habe mich schlau gemacht, wie man trotz negativer Einträge aus der Preisfalle kommt.
Warum lehnen die mich eigentlich ab?
Stromanbieter gehen in Vorleistung. Ihr verbraucht den Strom den ganzen Monat, und am Ende wird abgebucht. Wenn ihr nicht zahlt, bleibt der Anbieter auf den Kosten sitzen (Netzentgelte muss er nämlich trotzdem abführen).
Deshalb machen gerade die günstigen Discounter (die mit den knappen Margen) einen automatischen Check bei Auskunfteien wie der SCHUFA, Infoscore oder Bürgel.
Fällt der Score unter einen bestimmten Wert (den verraten die nicht, Betriebsgeheimnis), spuckt der Computer „Ablehnung“ aus. Da sitzt kein Mensch, der eure Geschichte liest. Das ist reine Mathematik.
Strategie 1: Finger weg von den „Top-Boni-Tarifen“
Das klingt paradox, ist aber mein wichtigster Tipp.
Die Anbieter, die oben im Vergleichsrechner stehen und mit „300 Euro Neukundenbonus“ und Tablets winken, sind die strengsten. Sie kalkulieren extrem knapp. Wer da auch nur ein kleines Risiko darstellt, fliegt raus.
Versucht es eine Stufe niedriger:
Sucht nach Anbietern, die keinen oder nur wenig Bonus zahlen. Die sind oft etwas kulanter, weil sie an euch langfristig verdienen wollen und nicht nur Neukunden „einkaufen“.
Lieber einen Tarif ohne Bonus, der 28 Cent/kWh kostet, als in der Grundversorgung für 40 Cent zu bleiben.
Strategie 2: Der „lokale“ Joker
Die großen Online-Discounter sind anonyme Maschinen. Eure lokalen Stadtwerke (oder die der Nachbarstadt) sind oft anders.
Viele Stadtwerke bieten auch überregional Strom an. Und machmal – nicht immer, aber oft – drücken die ein Auge zu oder prüfen weniger streng, besonders wenn man dort anruft.
Mein Tipp: Wenn es online nicht klappt, greift zum Hörer. Ruft beim Vertrieb eurer Stadtwerke an. Fragt nach einem günstigeren Tarif als der Grundversorgung. Manchmal kann man am Telefon dealen („Ich richte einen Dauerauftrag ein, statt Lastschrift“). Menschen sind gnädiger als Algorithmen.
Strategie 3: Vorauskasse oder Kaution (Vorsicht!)
Einige Anbieter bieten sogenannte „Pakettarife“ oder Tarife mit Vorauskasse an. Ihr zahlt also z.B. 6 oder 12 Monate im Voraus.
Logisch: Wenn das Geld schon da ist, ist dem Anbieter eure Bonität egal. Er hat ja kein Risiko mehr.
ABER (und das ist ein riesiges Aber):
Erinnert ihr euch an TelDaFax oder FlexStrom? Die sind pleite gegangen. Und das Geld der Kunden, die im Voraus gezahlt hatten, war weg.
Ich rate euch generell von Vorauskasse ab.
Die Ausnahme: Wenn ihr wirklich keine andere Wahl habt und der Preisunterschied zur Grundversorgung gigantisch ist, dann könnt ihr das Risiko eingehen. Aber seid euch bewusst: Im schlimmsten Fall (Insolvenz) ist das Geld futsch. Macht das nur bei soliden, großen Anbietern, nicht bei der „Billig-Strom-GmbH“, die es erst seit 3 Wochen gibt.
Strategie 4: Selbstauskunft einholen & Daten bereinigen
Oft sind die Daten bei der Schufa einfach falsch oder veraltet. Ein längst bezahlter Kredit steht noch als offen drin.
Ihr habt nach DSGVO das Recht, einmal im Jahr eine kostenlose Datenkopie bei der Schufa (und anderen) anzufordern.
Macht das!
Ich habe das auch gemacht und festgestellt, dass meine alte Adresse noch als aktuell drin stand. Das verschlechtert den Score.
Wenn ihr Fehler findet: Sofort beschweren und löschen lassen. Danach klappt der Wechsel vielleicht plötzlich.
Strategie 5: Wenn gar nichts geht – Verbrauch senken!
Wenn alle Stricke reißen und dich wirklich jeder ablehnt (was selten ist, meistens findet man einen), dann steckst du in der Grundversorgung fest. Die können dich gesetzlich nicht rauswerfen, solange du deine Abschläge zahlst.
Dann ist deine einzige Waffe: Verbrauch runter!
Lies dir meinen Artikel zu den „Stromfressern“ durch. Wenn du den Preis nicht drücken kannst, musst du die Menge drücken.Jede Kilowattstunde, die du nicht verbrauchst, kostet dich nichts – egal wie hoch der Preis pro kWh ist. Das ist der Hebel, den dir niemand wegnehmen kann, auch keine Schufa.
Kopf hoch, nicht aufgeben
Eine Ablehnung fühlt sich mies an. Ich weiß. Aber nehmt es nicht persönlich. Es ist nur ein Algorithmus. Probiert es bei einem anderen Anbieter. Meidet die „Super-Schnäppchen“ und sucht im Mittelfeld. Und prüft eure Daten. Habt ihr schonmal eine Ablehnung bekommen? Wie seid ihr damit umgegangen? Habt ihr einen Anbieter gefunden, der kulant war?
Teilt eure Erfahrungen (gerne auch anonym) in den Kommentaren. Vielleicht helft ihr damit jemandem, der gerade verzweifelt vor dem Rechner sitzt.