Eine Person zieht aus: Warum ich den Stromtarif mit mehreren Verbrauchswerten prüfe
Wenn eine Person den Haushalt verlässt, würde ich beim nächsten Stromvergleich nicht einfach den alten Jahresverbrauch übernehmen. Gleichzeitig würde ich ihn auch nicht durch die bisherige Personenzahl teilen. Kühlschrank, Router und viele andere Geräte laufen weiter. Wie stark sich der Verbrauch verändert, hängt vom konkreten Haushalt ab. Für die Tarifwahl ist genau diese Unsicherheit interessant.
Ich würde deshalb zunächst eine vorsichtige Spanne für den künftigen Jahresverbrauch bilden und mehrere Werte durchrechnen. Das ist hilfreicher als eine einzelne scheinbar präzise Schätzung. Bei zwei Tarifen mit unterschiedlichen Grund- und Arbeitspreisen kann sich nämlich die Reihenfolge ändern, wenn weniger Strom gebraucht wird.
Was sich durch den Auszug tatsächlich ändert
Meine erste Liste enthält Geräte und Nutzungen, die wegfallen oder seltener werden. Eine zweite Liste enthält die Dinge, die unverändert bleiben. Ich würde dabei keine feste Kilowattstundenzahl pro ausgezogener Person ansetzen. Ob beispielsweise Warmwasser elektrisch erzeugt wird oder wie häufig jemand zu Hause ist, kann einen erheblichen Unterschied für die persönliche Schätzung machen.
Zum Auszugstag notiere ich den Zählerstand für meine eigene Verlaufskontrolle. Weitere Ablesungen zeigen später, ob die Erwartung ungefähr passt. Aus einem kurzen Zeitraum würde ich jedoch nicht blind ein ganzes Jahr hochrechnen. Jahreszeit und einzelne außergewöhnliche Wochen können den Eindruck verschieben. Die alte Abrechnung bleibt eine Grundlage, braucht aber eine begründete Anpassung.
Der feste Preis bleibt in der Rechnung
Der Grundpreis ist vom Verbrauch unabhängig und wird etwa pro Monat oder Jahr angegeben. Der Arbeitspreis bezieht sich dagegen auf die verbrauchte Strommenge. Deshalb kann ein niedriger Arbeitspreis bei kleinerem Verbrauch weniger stark ins Gewicht fallen als zuvor. Ich würde immer die Gesamtkosten für denselben Zeitraum und dieselbe Strommenge vergleichen.
Mein fiktives Beispiel mit zwei Tarifen
Für die folgende Rechnung erfinde ich zwei Angebote ohne Bonus und ohne weitere Preisbestandteile. Tarif A kostet 120 Euro Grundpreis im Jahr plus 32 Cent je Kilowattstunde. Tarif B kostet 240 Euro Grundpreis plus 28 Cent je Kilowattstunde. Das sind ausschließlich Rechenannahmen und keine aktuell verfügbaren Marktangebote.
Bei 4.000 Kilowattstunden ergeben sich für A insgesamt 1.400 Euro und für B 1.360 Euro. B wäre unter diesen Annahmen 40 Euro günstiger. Bei 2.000 Kilowattstunden kostet A dagegen 760 Euro und B 800 Euro. Nun liegt A um 40 Euro vorn. Der günstigere Arbeitspreis von B allein beantwortet die Tariffrage also nicht.
Wo sich die beiden Rechnungen treffen
Der jährliche Grundpreisunterschied beträgt 120 Euro. Die Arbeitspreise unterscheiden sich um vier Cent, also 0,04 Euro pro Kilowattstunde. 120 geteilt durch 0,04 ergibt 3.000 Kilowattstunden. An diesem Punkt kosten beide fiktiven Tarife jeweils 1.080 Euro. Unterhalb dieser Menge liegt A vorn, oberhalb B. Diese Grenze gilt nur für genau die hier gewählten Zahlen.
Die reale Angebotsprüfung braucht mehr als die Formel
Im tatsächlichen Vergleich würde ich zusätzlich Laufzeit, Kündigungsbedingungen, Preisgarantie und mögliche Zusatzkosten ansehen. Einen Bonus würde ich getrennt ausweisen und seine Voraussetzungen lesen. Ändern sich die Preise innerhalb des betrachteten Zeitraums, reicht die einfache Jahresformel nicht unverändert aus. Auch monatliche Abschläge sind kein Ersatz für die Gesamtkostenrechnung.
Die Verbrauchsannahme im Vergleich würde ich realistisch halten. Eine absichtlich falsche Angabe, nur damit ein bestimmtes Angebot erscheint, wäre keine brauchbare Planung. Ich würde vielmehr prüfen, welche Konditionen für die voraussichtliche Nutzung gelten und ob das Angebot bei später abweichendem Verbrauch besondere Regelungen enthält.
Mein nächster Schritt nach einem Auszug wäre daher ein Vergleich mit einer niedrigen, mittleren und höheren plausiblen Verbrauchsannahme. Bleibt ein Angebot in allen drei Rechnungen günstig und passen seine Bedingungen, ist die Entscheidung weniger empfindlich gegenüber der Schätzung. Wenn du deinen Stromtarif nach einem Auszug prüfst, beginne mit dem veränderten Alltag. Die alte Jahreszahl erzählt noch die Geschichte des bisherigen Haushalts.