Nach Ansicht des EU-Energiekommissars Günther Oettinger, wird die Abhängigkeit der EU-Länder von den Gaslieferungen aus Russland in den nächsten Jahren noch zunehmen. Gegenüber der Moskauer Zeitung “Kommersant” gab er an, dass sich seiner Meinung nach, die Liefermenge um 25 bis 35 Prozent erhöhen werde. Dabei mit einkalkuliert, hat er auch schon die Gasleitung vom Kaspischen Meer, das so genannte Nabucco-Projekt. Allerdings hat es in gar nicht so ferner Vergangenheit, das letzte Mal vor wenigen Wochen, wiederholt Lieferschwierigkeiten gegeben, ausgelöst durch die Unstimmigkeiten zwischen Russland und der Ukraine, bezüglich der zu zahlenden Rechnungen. Auch dies sprach Oettinger bei seinem Interview an, wohl in der Hoffnung, dass sich dies möglichst nicht wiederhole. Die Europäische Union plant zwar weitere Projekte, zur Deckung des Energiebedarfs in der Zukunft, die Gaslieferungen aus Russland werden aber noch in den nächsten dreißig bis vierzig Jahren einen wichtigen Bestandteil der Energieversorgung Europas ausmachen.
56 Kunden des Oldenburger Energieriesen EWE, hatten 2008 gegen die Gaspreiserhöhung geklagt. Da sie nur teilweise Recht bekamen, legten die Kläger, ebenso wie der Stromanbieter Revision ein. Jetzt hat der Bundesgerichtshof das ursprüngliche Urteil aufgehoben. Er gibt den Klägern überwiegend Recht und erklärt die Preiserhöhungen seit 2007 für ungültig. Das Urteil des BGH ist nicht nur für die Kunden von RWE interessant, gibt es doch Deutschlandweit den Verbrauchern die Möglichkeit, gegen nicht nachvollziehbare Preiserhöhungen rechtlich vorgehen zu können. Nach diesem Urteil dürfen Stromversorger keine „Abweichungen zu Lasten der Kunden einseitig vornehmen.“ Verbraucherschützer sind über das Urteil aber nicht glücklich. Der Prozess barg die Chance, endlich mehr Transparenz bei der Preisgestaltung zu verlangen, die nicht genutzt wurde. Ärgerlich ist auch, dass die Preiserhöhung seit 2007 zwar für ungültig erklärt, aber EWE nicht verpflichtet wurde, die Kunden zu entschädigen. Nach drei Jahren Kampf um das ihnen zustehende Recht, dass EWE ihnen nur aufgrund seiner wirtschaftlichen Macht vorenthalten konnte, ist dies ein unbefriedigendes Ergebnis.
E.ON Ruhrgas plant, flüssiges Erdgas aus Katar zu beziehen. Wie Bernhard Reutersberg, Vorstandsvorsitzender der E.ON Ruhrgas jetzt bekannt gab, plant E.ON vor Allem im Gas-Bereich weitere Märkte zu erschließen, um sich nicht von einem Anbieter, wie Russland, abhängig zu machen. Katar hat das drittgrößte Erdgasvorkommen weltweit. Erste vorgenommene Probebohrungen waren sehr erfolgreich. Auch Äquatorial-Guinea und der Iran haben hohe Gas-Vorkommen, sind aber wegen ihrer politischen Instabilität weniger attraktiv. Seit sechs Monaten verhandelt E.ON mit den Vertretern des Emirats. Aber bis zum endgültigen Vertragsabschluss ist es noch ein weiter Weg.
Die Bundesregierung plant eine Änderung der Verordnung, über den Zugang zu den Gasnetzen. Das Ziel ist, es Neulingen auf dem Gasmarkt zu erleichtern, ihre potentiellen Kunden mit Erdgas zu versorgen. Dadurch soll der Wettbewerb verschärft werden, was sich positiv auf den Gaspreis auswirken wird. Bisher konnten die großen Energiekonzerne wie RWE und E.on, mit dem Hinweis auf angebliche vollständige Auslastung ihrer Netze, kleinere Unternehmen ausbremsen und so eine gesunde Konkurrenz verhindern. Das wird zukünftig nicht mehr möglich sein. Da Pipelines nur noch für höchstens vier Jahre gebucht werden dürfen, werden längere Blockierungen neuer Versorger verhindert. Die neue Verordnung soll bereits in diesem Jahr, mit dem Beginn der Heizsaison im Oktober, in Kraft treten. Die Verbrennung von Erdgas verursacht wesentlich weniger Abgase, als zum Beispiel die Verbrennung von Kohle. So ist diese Neuregelung auch ein Beitrag zum Umweltschutz.
Mit dem Bau der insgesamt 1224 Kilometer langen Pipeline wurde vor fünf Wochen begonnen. Es handelt sich hierbei um eine Erdgastrasse von Russland nach Deutschland. Zum jetztigen Zeitpunkt werden je nach Wetterlage zwischen zwei und drei Kilometer am Meeresboden verlegt. So sind mittlerweile bereits 80 Kilometer bei der schwedischen Insel Gotland verlegt worden. Die Bauarbeiten für die Verlegung im Küstenmeer sind am 15.05. aufgenommen worden. Nach der Errichtung eines 150 Meter langen landseitigen Spundwandkorridors begannen Spezialmaschinen am künftigen Anlandepunkt von Lubmin mit dem Anlegen eines Fahrwegs in das flache Ufergewässer. Von dort aus soll bis Ende Juni ein 550 Meter langer Spundwandgraben in die See gerammt und anschließend ausgebaggert werden. Anschließend sollen mit dem aus Rotterdam kommenden Verlegeschiff “Castoro 10″ die ersten Rohrsegmente miteinander verschweißt und durch den Spundwandkorridor im Flachwasser an das Ufer gezogen. Diese Arbeiten beschäftigen derzeit rund 200 Bauarbeiter und Spezialisten. Für weitere Arbeiten werden mehr als 40 Schiffe im Einsatz sein und für Freizeitschiffer wurden von der Wasserschutzpolizei bereits zeitweiße Sperrungen von Seegewässern und -korridoren angekündigt.
Der erste Strang der Pipeline soll bis 2011 fertig gestellt sein. In dieser werden rund 27,5 Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas jährlich nach Westeuropa fließen. Die zweite Parallelleitung soll bereits ein Jahr später angeschlossen werden.